Kompetenzen zum Lernen von Bildern

Bedeutung des Deutens von Bildern (Klasse 1bis 10)

Dem Bilderdeuten als einer aktiven, individuellen und gemeinsam bestimmten geistigen Tätigkeit kommt in der modernen Mediengesellschaft eine neue und besonders wichtige Bedeutung zu.

Angesichts einer überbordeten Bilderflut, zunehmender Reizüberflutung,

Technisierung der Kommunikationsbereiche (z. B. Handy, Computer), rezeptiver Verhaltensweisen, einhergehend damit der drohende Verlust von Individualität, Wahrnehmungsfähigkeit, Fantasie, Besinnung und Nachdenklichkeit muss das Lesen und Deuten von Bildern als Chance der Gegensteuerung, der Selbstbehauptung, des Durchschauens medialer Prozesse begriffen werden.

Im Interesse der Persönlichkeitsentwicklung der Kinder- und Jugendlichen muss in der heutigen mediengesellschaftlichen Entwicklung das Erlesen und Deuten von Bildern als Medium des Besinnens, Erkennens, Einschätzens, der Kommunikation mit Anderen und der Selbstklärung erfahrbar und erlernbar gemacht werden.

 

Bilder deuten

 

Schülerinnen und Schüler

  • können Inhalt eines Bildes wiedergeben

Bild wird in einem ersten Schritt in seinem Inhalt wiedergegeben. Dabei soll nur das dargelegt werden, was wirklich auf dem Bild zu sehen ist. Das Interpretieren wird in einem späteren Schritt vorgenommen.

  • können Bilder in ihren Teilen strukturiert erfassen

Bilder werden in ihren wesentlichen Aussageteilen benannt. Die einzelnen Bildbereiche werden mit thesenartigen Aussagen versehen und schriftlich fixiert. Die Bezüge der einzelnen Bildteile zueinander werden aufgezeigt. Ein Gesamtzusammenhang der Bildteile hergestellt.

  • können Bild detailgerecht beschreiben

Die Details des Bildes werden einzeln herausgearbeitet und mit Begrifflichkeiten bezeichnet. Die ist ein erster Schritt, um Symbole und ikonographische Codes benennen zu können.

  • können Bildergeschichten sprachlich im Zusammenhang erzählen
  • können explizite und implizite Bildinformationen aufzeigen
  • können Bildaussagen anhand ikonografischer Schlüsselglossare erlesen
  • können Bildaussagen mit Hilfe symbolischer Deutungsglossare erlesen
  • können Bildaussagen zuordnen
  • können Bilddiktate erfassen

Bilder werden von Vortragenden strukturiert beschrieben. Der Hörer fertigt eine Bildskizze. Bildskizze wird am Ende mit Originalbild hinsichtlich ihrer Richtigkeit verglichen.

  • können Bilder aufgrund der vorher aufgestellten Ziele ansatzweise deuten
  • können Bilder inhaltlich und interpretatorisch schriftlich darlegen, ihr Aussagen ikonografisch und symbolisch begründen, zeitlich-gesellschaftlich einschätzen
  • können Bilder in gegenwärtig-gesellschaftlichen und historischen Kontext einordnen

Bei jeglicher Bildbetrachtung ist es sinnvoll die gesellschaftlichen und historischen Kontexte mit einzubeziehen.

  • können darlegen, dass Bilder keine Wirklichkeit abbilden

Bildbetrachter sucht Aufnahmestandort auszumachen, überlegt was evtl. außerhalb des Abgebildeten sein könnte, reflektiert die Perspektiven, zeigt Kontraste wie Hell – Dunkel auf, erörtert andere mögliche Kontexte, reflektiert Zeit und Raum.

  • können aufzeigen, dass digitale Bilder beliebig veränderbar sind
  • können Bildintentionen herausarbeiten und begründet darlegen
  • können suggestive Erscheinungsformen, Wertvorstellungen, Handlungsmuster, Aussageabsichten, Identitätsangebote erschließen
  • können reflektieren, dass fotografisch und filmisch hergestellte Bilder eigene Erinnerungsbilder verdrängen
  • können Zusammenhang zwischen Bild und Text begründet aufzeigen

Bildunterschriften mit Bild abgleichen. In Schulbüchern sind häufig Bildunterschriften zu finden, die die Aussage des Bildes festlegen wollen. Beispiele: In Erdkunde werden Kühe auf Wiese gezeigt. Bildunterschrift kennzeichnet das Foto als norddeutsche Tiefebene. Bild kann aber auf jeder beliebigen Wiese aufgenommen sein. In Geschichte wird Männeransammlung in Anzug und Kravatte gezeigt. Bildunterschrift deutet das Foto als streikende Arbeiter in Weimarer Zeit. Tatsächlich sind es Sonntagsspaziergänger. Anzüge sind Hinweis, dass Bildunterschrift falsch ist. In Lesebüchern werden vielfach Stimmungsbilder zu den Lesetexten abgebildet, wie beispielsweise sonnige Pappelallee für Hermann Hesse. Diese Stimmungsbilder sind nicht stimmig, da Fotos keine Texte visualisieren können. In Religionsbüchern werden gern Wegkreuzungen gezeigt. Sie sollen Symbol für den richtigen Glaubensweg sein. Wegkreuzungen symbolisieren aber Einsamkeit, Heimatlosigkeit, Orientierungslosigkeit.

  • können andere Informationsquellen zur Deutung des Bildes heranziehen
  • können Bildfunktionen unterscheiden (z. B. Pressebild, Stimmungsbild, Werbebild, PR-Bild)
  • können bildspezifische Gestaltungsmittel zur Deutung nutzen (z. B.  fotografisch-filmische Einstellungen, kunstgestalterische Mittel)
  • können Bildzitate erkennen, deuten sie ein- und zuordnen
  • können Visiotypen erlesen(Diagramme, Piktogramme,Icons, Grafiken, Schaubilder, Statisken)

Visiotypen erscheinen meist glaubhafter als Bilder. Dabei werden mit ihnen sehr häufig Sachverhalte interessenorientiert und überzeichnet dargestellt. Beispiel: Afrika riesengroß, Europa ganz klein. Ziel ist Bedrohung durch Immigranten darzustellen. Dem Visotypen lesen wird im Unterricht recht wenig Aufmerksamkeit geschenkt.

  • können Emotionalität von Bildern(anziehend,abstoßend) deutlich machen
  • können Bedeutungsgehalt von Bildern herausfinden
  • können die Metaphorik eines Bildes erfassen
  • können Bildaussagen auf andere kulturelle Bereiche übertragen
  • können über Bildaussagen sachbezogen kommunizieren

Bilder sprechen oft die Gefühlswelten an, z.B Werbefotografie, Werbefilme, Fernsehsendungen, politische Bilder und Filmsequenzen. Es ist folglich notwendig, die Bildaussagen analytisch zu versachlichen. Dabei ist es notwendig die Intention der Bilder herauszuarbeiten, die Adressaten einzubeziehen, eigene Einstellungen zu benennen, Fragen zu formulieren wie welche Absicht hat das Bild, welche Botschaft will es vermitteln. Da hier nicht immer eine einheitliche Meinung herzustellenist, ist eine sachbezogene Kommunikation  notwendig.

 

 

Anmerkung: Ikonografie bedeutet Bilder nach ihren Figuren, Gegenständen und Symbolen zu betrachten. Diese sind meist kulturell und zeitbezogen. Folglich ist es notwendig über einen ikonografischen Schlüssel zu verfügen (z. B. Frühjahrsbild Grundschule: Baum mit hellgrünen Blättern, auf Ast singt ein Vogel, Blumenwiese, evtl. spielende Kinder). Hilfreich für ikonografische und symbolische Schlüssel sind Motivsymbolik der Germanistik, des Faches Deutsch, des Faches Geschichte, des Faches Politik, der Religion und des Films.

 

 

Bilder gestalten

Beim eigenständigen Bildgestalten geht es nicht um ein ins Blaue hinein mehr oder minder zufälliges Schaffen von Bildmaterial. Vielmehr soll das Gestalten von Bildern eine zielgerichtete – wenn auch spielerische, kreative und fantasiebestimmte – inhaltliche Auseinandersetzung mit Realität sein. Gezielt deshalb, als Realitätsausschnitte mit den Mitteln der Betonung, des Weglassens, des Verfremdens, des Zuspitzens, des Ausschneidens, des Verdichtens, der Fiktion so dargestellt werden, dass bestimmte Eigenheiten sichtbar werden. Bildaufgaben müssen sich inhaltlich auf Wahrnehmungs- und Erfahrungsmöglichkeiten beziehen. Das heißt bei der Auswahl geeigneter Inhalte und dem Finden anregender Aufgabenstellungen muss also besonders darauf geachtet werden, dass sie altersspezifisch die Bildmotive, Denk- und Wahrnehmungsweisen der Schülerinnen und Schüler ansprechen. Das Bildthema muss die Schülerinnen und Schüler innerlich bewegen, muss Wünsche, Vorstellungen und persönliche Bildfiktionen entstehen lassen.

 

Schülerinnen und Schüler

 

  • können mithilfe verschiedener Medien (Fotografie, Film, Computer, Malerei) eigenständig Bilder anfertigen
  • können Informationen für das Schaffen eigener Bilder sammeln und auswerten (z.B. Bildzyklus zum Thema Lesen, Stadt, Spiegel, Posen, Gesten, Musik, Sport)
  • können bildliche Vorgehensweisen entwickeln
  • können Gefühle, Stimmungen und Fantasiewelten, angeregt durch andere kulturelle Bereiche wie Literatur, Malerei, Musik ausdrücken
  • können in ihren Bildern Bekanntes und Gesehenes in einen neuen Zusammenhang bringen
  • können gemeinsam agieren und kommunizieren, um ein bildliches Projekt zu verwirklichen.
  • können die medialen Mittel technisch angemessen einsetzen (Fotoapparat, Fotoprogramme, Fotolabor Filmkamera, Computer, Malwerkzeuge)
  • können in ihre Bilder symbolische Aussagen einarbeiten
  • können sich verschiedene Bildgestaltungselemente zueigen machen und sie für die eigenen Bilder sinnvoll nutzen
  • können ohne Vorlagen in einem vorgegebenen Rahmen ihre Intentionen bildlich umsetzen
  • können aussagekräftige fotografische Bildcollagen erstellen
  • können Filmbänder gestalten und sie sprachlich untermauern
  • können Bilderzählungen verfassen
  • können Bilddiktate entwerfen und durchführen
  • können Stimmungen erfassen und sie zu Bildern formen
  • können in ihren Bildern gesellschaftliche Phänomene erfassen (z.B. Freude, Einsamkeit, Angst, Stolz, Leere usw.)
  • können Verhaltensweisen, Konventionen, Widersprüche, Absurditäten, Auffallendes, Unbeachtetes, Abwegiges, Nahes, Fremdes in ihren Bildern verdeutlichen
  • können eigene bildlichen Erzählansätze entfalten
  • können eindrucksvolle Gegenstände, Sachverhalte, Vorgänge in Bilder verwandeln
  • können andere Bilder oder Filme zu Bildzitaten nutzen
  • können eigene Bildideen choreografisch entwerfen und gestalterisch umsetzen
  • können mit anderen Personen Standbilder stellen
  • können Bilder inszenieren und Bildregie führen
  • können eigene und andere Bildwerke sachbezogen und kritisch reflektieren
  • können aufgrund des eigengeschaffenen Bildmaterials neue Seh- und Wahrnehmungs- und Vorstellungsansätze entwickeln, um neue Bilder zu entwerfen
  • können Bilder öffentlichkeitswirksam präsentieren (Zeitungen, Magazine, Websites, Ausstellungen (innerhalb und außerhalb der Schule)
  • können Präsentationen organisieren
  • können eigene Bilder sprachlich darstellen und erläutern

 

 

 

Anmerkung:

Die Kompetenzen des Faches Kunst werden wegen seiner Komplexität gesondert aufgeführt. Dennoch sind viele der hier vorgestellten Kompetenzen aus für das Fach Kunst und die ästhetische Bildung gültig.

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