Kompetenzen zum Lernen von Musik und zum praktischen Umgang mit Musik

 

In der PISA-Studie des Jahres 2001 wird ausdrücklich darauf hingewiesen, dass zu den Basiskompetenzen, die einen Menschen „zu einer befriedigenden Lebensführung in persönlicher und wirtschaftlicher Hinsicht sowie für eine aktive Teilnahme am gesellschaftlichen Leben“ befähigen, auch die ästhetisch-expressiven Erfahrungen gehören. Diese stellen einen eigenen und durch nichts zu ersetzenden Modus der Welterfahrung dar und bilden zugleich eine wesentliche Grundlage zur Lebens- und Weltgestaltung. Es ist insofern Aufgabe der Schule, den Kindern und Jugendlichen Raum zu geben, ihre musikalisch-künstlerischen Kompetenzen zu entfalten.

Die Musikbranche ist einer der größten Märkte der Volkswirtschaften. Um die Kinder und Jugendlichen in die Lage zu versetzen, aus der überwiegenden Konsumentenhaltung und dem musikalischen Analphabetismus sich herauslösen zu können, bedarf es eines erweiterten Begriffes und einer veränderten Praxis von Musikunterricht. Diese wird verdeutlicht durch das Beispiel der mittlerweile seit 16 Jahren bestehenden Schulkooperation zwischen der Friedrich-Fröbel-Schule und der Städtischen Musikschule Viernheim im Bereich Musik.

In diesem Zeitraum wurden mehr als 1000 Schülerinnen und Schüler der Grund-, Haupt- und Realschule durch dieses Konzept erreicht.  Es wurden neue Unterrichtsmethoden eingeführt wie das „Teamteaching“  (d.h. Zusammenarbeit zwischen Lehrkräften der allgemeinbildenden Schule und denen der Musikschule). Seitdem wird systematisch und regelmäßig klassenstufen- und schulstufenübergreifend projektbezogen gearbeitet.

Anhand dieser pädagogischen Arbeit wird sichtbar, wie sich die Inhalte und Methoden der Schulmusik und die der  Musikschularbeit verschränken, wie aber auch gänzlich neue Impulse – pädagogischer, methodischer und schulstrukturbezogener Art – allmählich Einzug in den Schulalltag genommen haben. Die Kinder beschreiten dabei neue Wege beim Erlernen von Musik durch den integrierten, regelmäßigen und systematischen Instrumentalunterricht. Die öffentliche Präsentation der Ergebnisse ihrer Arbeit durch Auftritte und Konzerte im Schul- und Musikschulzusammenhang fordert und fördert die Persönlichkeitsentwicklung der Kinder auf eine ganz besondere Weise. Gleiches gilt für das Erlernen sozialer Kompetenzen, die das Zusammen-Spielen und –Singen, das sich-als-Gruppe (oder Klasse) bewähren im öffentlichen Auftreten wesentlich fördert.

In der Studie von Prof. Hans-Günther Bastian, Musikerziehung und ihre Wirkung, Mainz 2000, wird deutlich gemacht, welche Kompetenzen Kindern erwachsen, die regelmäßig einen solchen Musikunterricht erhalten. Die Auswirkungen auf schulisches Lernen allgemein, auf die Lernmotivation, die Intelligenzentwicklung und das Sozialverhalten sind darin eindrücklich beschrieben.

 

Im Sinne der Kulturellen Praxis als Leitziel der Schule, präsentieren die Kinder und Jugendlichen diese Arbeit regelmäßig in der Öffentlichkeit

-      bei Einschulungsfeiern

-      beim alljährlichen „Vorweihnachtlichen Singen und Spielen“

-      bei Elternabenden

-      beim „Tag der offenen Tür“

-      bei Schulfesten

-      beim regelmäßigen Schuljahresabschlusskonzert

-      bei Vernissagen und Ausstellungen (in Zusammenarbeit mit dem „Europäischen Fotozentrum“)

-      im Rahmen der Veranstaltungen der Städtischen Musikschule.

 

Die Kompetenzen, die die Kinder und Jugendlichen durch diese besondere Art des Musikunterrichtes erwerben, sind:

Schülerinnen und Schüler können

- Singen und Sprechen

Die Kinder lernen sprachlichen Ausdruck und Artikulation, sie gehen mit Sprechversen, Reimen, Gedichten um. Sie können Lieder singen solistisch und im  Chor. Sie erfahren ihre Stimme, lernen den Stimmumfang zu erweitern, können intonieren. Sie lernen mit den Dirigierzeichen und –gesten umzugehen. Sie singen im Chor einstimmig und mehrstimmig.

 

Fächertransfer:    Deutsch, Englisch, Französisch

- Bewegung und Tanz

Die Kinder können musikalische Impulse in Bewegung einzelner Körperteile und des gesamten Körpers umsetzen. Sie lernen ihren individuellen Bewegungsausdruck in Korrespondenz zu Musik zu bringen  und diesen zu erweitern. Sie lernen feste Schrittfolgen und Choreografien in Gruppentänzen. Sie können musikalischen Ausdruck erfassen und in Bewegungsqualitäten umsetzen. Sie können Musik tänzerisch er-improvisieren.

Fächertransfer:    Sport

- Musik wahrnehmen, erkennen, über Musik reflektieren und sprechen

Die Kinder können die Verschiedenartigkeit von Musikstücken erkennen.

Sie können die Unterschiedlichkeit im musikalischen Ausdruck benennen, sie können Instrumentierungen erkennen, sie können den Zusammenhang herstellen und benennen zwischen dem Einsatz musikalischer Elemente und deren Klangwirkung. Sie verfügen über eine sprachliche Ausdrucksweise, um Musik beschreibbar zu machen. Sie lernen Kriterien, um die Qualität von Musik zu erfassen.

 

Fächertransfer:    Deutsch, Englisch, Französisch

- Musiktheorie, Musikgeschichte

Die Kinder sind vertraut mit den Inhalten der allgemeinen Musiklehre (Grundschlag, Metrum, Rhythmus, Taktarten, Melodik, Harmonik, Kadenzen, Akkorde, Intervalle, Noten- und Pausenwerte, Musikalische Formen etc.). Sie haben einen Einblick in die Epochen und Stile der Musikgeschichte genommen und haben Musiker/innen und Komponisten/innen als deren Vertreter kennen gelernt.

Die Elemente der Musiktheorie werden anhand des Instrumentalspiels praktisch erlernt, geübt und eingesetzt.

Beispielhafte Stücke aus der Musikgeschichte (z.T. auch anhand von Bearbeitungen) werden auf dem Instrument erarbeitet.

 

Fächertransfer:    Deutsch, Englisch, Französisch, Mathematik, Geschichte, Bildende Kunst

- Instrumentalspiel, Instrumentenbau, Instrumentenkunde

Die Kinder können am Ende der ersten Klasse mit elementarem Instrumentarium umgehen. Am Ende dieser Klasse haben sie die traditionellen Instrumente kennengelernt und wählen „ihr“ Instrument aus, auf dem sie dann weiterhin Unterricht nehmen werden. Jedes Kind lernt ein Instrument zu spielen.

Die Kinder lernen das europäische Instrumentarium gemäß seiner physikalischen Konstruktion kennen (z.B. Blas-, Zupf-, Schlag-, Streichinstrument), zu klassifizieren und (in einfacher Weise) nachzubauen.

 

Fächertransfer:     Werken, Physik, Bildende Kunst

- Musik öffentlich aufführen

Die Kinder zeigen regelmäßig die Arbeitsergebnisse des Unterrichtes öffentlich z.B. in Form von Ausstellungen (Instrumentenbau) und in Form von Vorspielen und Konzerten. Sie lernen, sich dabei auf besondere Art und Weise zu organisieren (individuell und als Gruppe), sie lernen Präsenz und Aufmerksamkeit, Konzentration und den Umgang mit Stress und Nervosität. Sie erfahren Wertschätzung durch eine anonyme Öffentlichkeit. Das Selbstwertgefühl der Kinder, ihr Zutrauen und die Zuversicht in das eigene Können wachsen. Die Erfahrung im Chor zu Singen, im Ensemble zu spielen stärkt ihr Vertrauen und ihre Sicherheit innerhalb der eigenen Klasse sich zu bewegen wie auch in der gesamten Schulgemeinde.

 

 

Fächertransfer:     Alle Fächer, das gesamte Schulleben, Berufsqualifikation

 

Der nachfolgende Strukturplan bietet einen Ausblick auf die weitere Entwicklung dieser Unterrichtspraxis im Hinblick auf die Entwicklung der  Friedrich-Fröbel-Schule zur Schule mit dem Schwerpunkt Musik:

 

Strukturplan für die FFS als Schule mit

Schwerpunkt Musik

 



1. Klasse

wöchentlich

1 Std. MGA (Musikalische Grundausbildung)        in Klassenstärke

1 Std. Chor                                                       in Klassenstärke

MGA und Chor sollten in einer Hand bleiben, da so unterrichtliche Synergieeffekte erzielt werden können.

 



2. Klasse

wöchentlich

1 Std. Instrumentalfach     in Kleingruppen

( Gitarre, Geige, Harfe, Trompete, Blockflöte, Orfforchester für die Kinder, die sich nicht in eines der angegebenen Instrumente einwählen wollen)

1 Std. Chor                                    in Klassenstärke




3. Klasse

wöchentlich

1 Std. Instrumentalfach (siehe oben)

Freiwilliges Angebot:        Zusammen mit Kindern der 4.  5. 6. und 7. Klassen:

2 Std.                  Orchester          Teamteaching

2 Std.                  Chor                   Teamteaching

4. Klasse

5. Klasse                    wie 3. Klasse

6. Klasse

 



5. + 6. Klasse             Gitarrenklasse

( Gitarre, Geige, Harfe, Trompete, Blockflöte, Orfforchester für die Kinder, die sich nicht in eines der angegebenen Instrumente einwählen wollen)

1 Std Chor                                     in Klassenstärke

 


Trommelprojekt in der Jahrgangsstufe 7


 

Arbeitsgemeinschaften:

                           

Band                            Jahrgangsstufe 7 bis 10

Chor                             Grundschule und Sek I

 

 

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